Herr Kling und die Unterdrückung

Zeitreise-Bericht der Klassen 10a, b und c des Gerhard-Hauptmann-Gymnasiums in Gräfenhainichen vom 30. Juni bis 1. Juli 2022

Deutschland im Jahr 2045

Die Gesellschaft ist tief gespalten: Auf der einen Seite lebt eine kleine Gruppe von Reichen im Überfluss und kontrolliert große Teile von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Mit ihrer „Reichen futuristischen Partei (RFP)“ haben sie das Land fest im Griff. Sie kümmern sich wenig um das Schicksal der großen Mehrheit der Bevölkerung, die in großer Armut lebt und unterdrückt wird.

Alles nahm seinen Anfang damit, dass eine kleine Gruppe reicher Menschen großen Einfluss auf die Politik gewann und eine neue Regel für Volksabstimmungen und Wahlen einführte. Wählen durfte nur noch, wer einen sogenannten „Kompetenztest“ erfolgreich besteht. Mit den Jahren wurden diese Tests immer schwerer. Das hatte zur Folge, dass nach und nach immer mehr Menschen von Wahlen ausgeschlossen wurden, weil diese beispielsweise keine Sachkenntnisse zu komplizierten politischen Entscheidungen besaßen. Während die Reichen sich und ihre Kinder stets bestens auf die Kompetenztests vorbereiteten, verlor ein Großteil der Bevölkerung das Wahlrecht und wurde nicht mehr repräsentiert.

Die mangelnde politische Vertretung der ärmeren Menschen nutzte die RFP dazu, ein System der Unterdrückung aufzubauen, in dem sich die wohlhabende Bevölkerungsschicht weiter bereichern kann. Während reiche Menschen in modernen Häusern mit eigenen Anbauflächen für Bio-Obst und -Gemüse luxuriös leben, müssen die Armen hart schuften. Roboter haben viele Arbeitsplätze ersetzt, weshalb Arbeit für viele arme Menschen ein begehrtes Gut ist. Außerdem setzen die Reichen Polizeiroboter dafür ein, die Armen zu kontrollieren und drangsalieren. Die Unzufriedenheit wurde schließlich so groß, dass ein Aufstand ausbricht. Die arme Bevölkerung hackt die Roboter der Reichen und greift die Reichen in ihren abgeschotteten Wohngebieten an.



Eine Szene, die sich im Jahre 2045 zugetragen hat…

1. Akt: Auf der Straße

 Handelnde Personen:  

  • CJ  
  • Bruce  

Die zwei Freunde CJ und Bruce treffen sich auf der Straße.

CJ: Hey Bruce!

Bruce: Hey CJ! Alles gut bei dir?

CJ: Ja, alles bestens. Und bei dir?

Bruce: Bei mir auch. Was hast du heute so gemacht?

CJ: Heute früh hat mir wie immer meine Drohne das Essen gebracht. Und danach habe ich beim UFO-Fußball zugeschaut. Wir haben 3:1 gewonnen.

Bruce: Echt? Ich dachte, heute ist UFO-Basketball?

CJ: Ne, und außerdem ist UFO-Basketball doch eh nur für die, die beim UFO-Fußball keine Tickets bekommen. UFO-Fußball ist viel cooler und man braucht VIP-Tickets.

Bruce: Können wir nächstes Mal zusammen gehen?

CJ: Naja, mal sehen. Man braucht wie gesagt VIP-Tickets und die sind schwer zu bekommen für uns arme Leute!

Bruce: Verstehe. Und was machst du heute noch so?

CJ: Ich gehe später zu dieser Demonstration gegen die neusten Maßnahmen der RFP. Und gegen Herr Kling, Anführer der RFP, der uns in Zukunft noch mehr unterdrückten will und den Kompetenztest für die Wahlen noch schwerer machen möchte.

Bruce: Ich glaube, ich komme nachher auch dazu.


2. Akt: Die Demonstratoin

 Handelnde Personen:  

  • CJ  
  • Bruce  
  • Herr Kling (Vertreter der RFP)  
  • Zwei Polizeiroboter  

Wenig später treffen sich CJ und Bruce auf der Demonstration wieder.

CJ: RFP raus! RFP raus!

Bruce: RFP raus! RFP raus!

Nach nur kurzer Zeit werden die beiden Demonstranten wegen ihrer lauten Rufe von Herr Kling, einem Vertreter der RFP, bemerkt, der die Demonstration überwacht. Er wird begleitet von zwei Polizeirobotern.

Herr Kling: Mäßigen Sie sich! Illegale Meinungsäußerungen werden wir nicht dulden!

Auf einmal setzen sich beide Polizeiroboter unvermittelt in Richtung der Demonstranten in Bewegung.

Polizeiroboter 1: Ziel erfasst! Ziel unschädlich machen!

CJ und Bruce schauen sich kurz gegenseitig an und beginnen zu rennen, aber Bruce stolpert und wird kurz danach von Elektroschocks der Polizeiroboter getroffen. CJ rennt weiter und kann sich für’s Erste in Sicherheit bringen. Derweil schaut Herr Kling ungläubig.

Herr Kling: Halt! Befehl sofort abbrechen! Gewalt gegen die Demonstranten habe ich nicht autorisiert!

Wenig später, als sich die Demonstration aufgelöst hat, kehrt CJ auf der Suche nach Bruce zurück an den Ort, an dem die beiden getrennt wurden. Das Chaos hat sich gelegt und von den Polizeirobotern ist nichts zu sehen. Er findet Bruce bewusstlos auf der Straße liegen und rüttelt ihn wach.

CJ: Bruce! Bruce! Geht es dir gut? Was ist passiert?!

Bruce: Ich… ich weiß nicht, was passiert ist. Ich glaube, ich bin gefallen und wurde von den Elektroschocks der Polizeiroboter getroffen. Alles wurde sofort schwarz. So war das nicht geplant! Um mich herum war überall Chaos und ich muss Glück gehabt haben, dass ich nicht direkt weggebracht wurde.

CJ: Mist! Naja, Hauptsache, dir geht es gut. Und immerhin haben wir unser Ziel erreicht und die Menschen haben gesehen, mit welcher Brutalität die RFP die Polizeiroboter gegen uns arme Menschen einsetz.

In diesem Moment taucht auf einmal wieder Herr Kling begleitet von den beiden Polizeirobotern hinter einer Straßenecke auf und bemerkt sofort CJ und Bruce.

Herr Kling: Da sind die beiden wieder! Roboter, schnappt sie euch und lasst sie diesmal nicht wieder entkommen!

Polizeiroboter 2: Ziele erfasst! Ziele unschädlich machen!

Diesmal haben CJ und Bruce weniger Glück. Als einzige Menschen auf der Straße sind sie für die überlegenen Polizeiroboter leichte Ziele und können nicht entkommen. Beide werden von Elektroschocks getroffen und festgenommen.


3. Akt: Im Gerichtssaal

 Handelnde Personen:  

  • CJ  
  • Bruce  
  • Richter  
  • Julian Kling (Ankläger)  
  • Zwei Polizeiroboter  

CJ und Bruce sitzen auf der Anklagebank im Gerichtssaal und erwarten den Beginn der Verhandlung. Dann ertönt ein lauter Gong.

Richter: Damit ist die Gerichtsverhandlung im Fall Kling gegen die Staatsfeinde Bruce und Christopher Jay, kurz CJ, eröffnet. Herr Kling, was ist passiert an diesem Freitagnachmittag?

Herr Kling: Es war ein friedlicher Nachmittag, ich war mit zwei Polizeirobotern wie üblich auf Patrouille durch die Stadt. Auf einmal sah ich, dass sich mehrere Menschen zu einer scheinbar spontanen illegalen Demonstration zusammengerottet hatten. Ich begann sofort damit, nach aufrührerischen Aktivitäten zu scannen und habe bemerkt, dass die beiden Angeklagten offenbar versucht haben, die beiden Polizeiroboter, die mich begleitet haben, zu hacken! Danach wollten sie mich angreifen, da bin ich mir ganz sicher!

Richter: An die beiden Angeklagte: Wer hat damit begonnen, die Polizeiroboter zu hacken?

CJ: Ich habe gar nichts getan! Ich kam erst später zur Demonstration und habe nur noch gesehen, wie mein Freund Bruce zu Boden gegangen ist! Danach habe ich dann natürlich gedacht, dass ich mich rächen muss!

Richter: Angeklagter Bruce, warum gingen Sie denn überhaupt zu Boden?

Bruce: Ich wurde von den beiden Polizeirobotern von Herr Kling zu Boden getasert.

Richter: Herr Kling, entspricht das der Wahrheit? Haben Sie den Befehl dazu gegeben?

Herr Kling: Nein, das stimmt nicht. Das ist eine Lüge.

Richter: Sind Sie sich da ganz sicher? Sie sind sich bewusst, dass Sie vor Gericht die Wahrheit sagen müssen, richtig?

Herr Kling: Aber natürlich. Ich sage die Wahrheit.

Richter: Befragen wir die beiden Polizeiroboter. Was geschah in der Situation?

Polizeiroboter 1: Wir haben nur unserer Befehle ausgeführt.

Richter: Und wer hat diesen Befehl erteilt?

Polizeiroboter 1: Eine externe Eingabe gab den Befehl. Im Systemspeicher wurde der Befehlsgeber als Herr Kling festgeschrieben.

Richter: Das bedeutet, dass der Befehl auf einen Hack zurückging.

Polizeiroboter 1: Positiv.

Richter: Also doch! Die beiden Angeklagten haben die Polizeiroboter gehackt! Sie sind sich der Konsequenzen dafür bewusst, oder? Ich verurteile Sie beide hiermit zu 15 Jahren Haft.

Bruce: Herr Richter, ich bitte Sie um Gnade!

CJ: Warum denn 15 Jahre?! Das ist eine Ewigkeit für einen einzigen Hackerangriff.

Richter: Sie wissen doch: Bei der heutigen Lebenserwartung von 150 Jahren sind 15 Jahre Haft so gut wie nichts. Damit ist die Verhandlung geschlossen!


Redaktion: km