La Ciudad de Sueños

Zeitreise-Bericht der Klasse 10a des Gottfried-Herder-Gymnasiums Merseburg vom 18. bis 19. Mai 2022

Deutschland im Jahr 2045

Die Stadt Halle ist eine von deutschlandweit 24 Modellstädten, die schon seit einigen Jahren neue Wege der politischen Teilhabe ausprobieren. Halle nennt sich seither auch „La Ciudad de Sueños“, „Stadt der Träume“. In dieser herrscht ein großes Vertrauen in den städtischen Bürgerrat. Dies verdankt sich vor allem der Einführung des sogenannten „Decision Centers“, eines digitalen Bürgerportals mit Apps für verschiedene Endgeräte. Es erlaubt allen Bürgers ab 16 Jahren über sämtliche politische Entscheidungen des Bürgerrats mitzubestimmen. Auch besitzt es eine Hologramm-Funktion, mit der man dem Ratsvorsitzenden und den Ratsmitgliedern persönlich zuschauen und zuhören sowie über Hologramm-Nachrichten kommunizieren kann.

Die Lohnspanne bewegt sich zwischen 2.500 und 6.000 € pro Monat. Wenn jemand gekündigt wird, arbeitet er übergangsweise für den Rat. Wenn jemand gar nicht arbeiten will, wird er aus der Stadt verwiesen.

Einen sehr großen Stellenwert hat der Umweltschutz in allen Modellstädten. Jeder Bürger besitzt ein Armband mit einem CO2-Counter, der den persönlichen und in der Menge begrenzten Verbrauch an Kohlendioxid überwacht. Überschreitet man diese Grenze, etwa durch Kauf und Konsum von Waren und Medien mit schlechter CO2-Bilanz oder zu viele Fahrten und Reisen, müssen mehr Steuern abgeführt werden. In Geschäften wird, um autark von technischen Manipulationen zu sein, nur noch mit Bargeld gezahlt.

Die neuen Zentren der Modellstädte sind in Quartiere fürs Arbeiten, Wohnen und die Freizeit eingeteilt. Für einen insgesamt geringeren CO2-Ausstoß wurden Autos von den Straßen verbannt. Stattdessen gibt es ein sehr gut ausgebautes Zugnetz für den Nahverkehr, mit besonders vielen U-Bahnen. Die Fahrkarten sind günstig, mit einem transparenten wie gerechten Zonen-Modell Für Fernreisen auf dem europäischen Kontinent stehen modernste Schnellzüge zur Verfügung, für Interkontinentalreisen weiterhin auch Flugzeuge, die aber selten genutzt werden.

Der technische Fortschritt hat in vielen Bereichen Einzug gehalten. Beispielsweise können in Kliniken Organe gedruckt werden. Auch werden Roboter anstelle von Soldaten in Kampfeinsätze geschickt. Aufgabe der Soldaten ist es, die Roboter zu warten und zu steuern.



Eine Szene, die sich im Jahre 2045 zugetragen hat…

1. Akt: In einem Ein-Familien-Haus

 Handelnde Personen:  

  • Mutter  
  • Liselotte – die Tochter  
  • Herbert – der Sohn  
  • Hans­ ­– Ratsvorsitzender   

Liselotte, Zehntklässlerin eines Gymnasiums, kommt nach dem Unterricht nach Hause.

Mutter: Hallo, mein Liebling!

Liselotte: Hallo, Mama!

Mutter: Hast du schon die neue Nachricht vom Ratsvorsitzenden gesehen?

Liselotte: Ach so, nein! Das habe ich ganz vergessen. Gut, dass du mich daran erinnerst. Ich guck gleich mal nach.

Liselotte startet einen an der Wohnzimmerdecke hängenden Projektor und ein Hologramm des Ratsvorsitzenden erscheint in der Mitte des Raums.

Ratsvorsitzender: Liebe Bürgerinnen und Bürger, hier ist Ihr Hans. Zum Anlass des 10-jährigen Jubiläum unseres „Decision Centers“ haben wir eine Umfrage für Sie in das System eingestellt, die Ihre Zufriedenheit mit dem Center eruieren soll. Zudem bin ich heute vor Sie getreten, um darüber zu informieren, dass wir am morgigen Tag anlässlich des Jubiläums ein Fest im „Park de Sueños“ feiern. Sie sind alle eingeladen. Freiwillige Helfer sind gern gesehen und mögen sich bitte am frühen Morgen um 9 Uhr vor dem Rathaus versammeln. Ich wünsche Ihnen einen schönen Nachmittag. Machen Sie es gut!

Liselotte: Ja da werd ich definitiv mithelfen! Und bei der Umfrage mach ich auch mit.

Herbert, der bald 18-jährige Sohn der Familie, eilt die Treppe hinunter und ruft aus dem Flur in Richtung Wohnzimmer.

Herbert: So, Mutti, ich muss jetzt los!

Mutter: Herbert, warte mal!

Herbert: O nö, was ist denn jetzt schon wieder?

Mutter: Dein CO2-Zähler…

Herbert: Ja was ist mit dem?

Mutter: …der ist schon orange.

Herbert: Ja na und?

Mutter: Herbert!

Herbert: Du bezahlst die Steuern, nicht ich.

Mutter: Ich schwimme nicht in Geld.

Herbert: Doch!

Mutter: Nein!

Herbert: Du konntest dir das die letzten Jahre doch auch immer leisten.

Mutter: Freundchen, wenn du 18 bist, zahlst du selber Steuern!

Herbert: Ja ich bin dann aber ein krasser Rockstar und verdiene genug Geld. Ich mache mich jetzt los! Ich muss üben, wir haben morgen ein Konzert.

Herbert rennt mit seiner E-Gitarre zur Haustür raus, ohne sie zu schließen.

Mutter (seufzend): Herbert!


2. Akt: In einem Geschäft

 Handelnde Personen:  

  • Herbert  
  • Steve  
  • Verkäuferin  

Auf dem Fußweg Richtung Probenraum trifft Herbert seinen Bandkumpel Steve. Es regnet ein bisschen.

Herbert: Hola Steve!

Steve: Hey Herbert, was geht?

Herbert: Freust du dich auf unser Konzert morgen?

Steve: Klar, wir werden Rockstars!

Herbert: Super! Ich hoffe nur, morgen ist besseres Wetter.

Steve (Herberts CO2-Armband registrierend): Hey Bruder, dein CO2-Zähler ist schon auf Rot!

Herbert: Nee, der ist nur auf Orange.

Steve: Meinst du also, wir können uns vor der Probe noch was kaufen gehen?

Herbert: Klar!

Die Kumpel betreten einen kleinen Lebensmittel-Shop.

Verkäuferin: Guten Tag!

Steve: Hallo!

Herbert: Hola!

Schnell schnappen sich beide ein paar Getränke und Snacks und gehen zur Kasse.

Verkäuferin: 4,50 Euro und einmal bitte Ihren CO2-Zähler!

Steve zahlt mit Bargeld und zeigt der Verkäuferin sein Armband.

Verkäuferin: Dankeschön!

Steves Armband zeigt auch nach dem Kauf weiterhin Grün. Nun ist Herbert an der Reihe.

Verkäuferin: 5,70 Euro bitte!

Herbert: Hier!

Verkäuferin: Danke! Und auch Ihren CO2-Zähler bitte!

Herbert zeigt lässig sein Armband.

Verkäuferin (mit einem Stirnrunzeln): Oh, der springt ja gleich auf Rot, wenn Sie das jetzt hier kaufen. Dann müssen Sie mehr Steuern zahlen.

Herbert: Egal!

Steve: Oder soll ich für dich zahlen? Mein Zähler ist auf Grün.

Herbert: Nee, Muttchen zahlt doch am Ende alles! Ziehen Sie die Waren von meinem Konto ab!

Verkäuferin: Okay!

Die Freunde öffnen ihre Energydrinks (in grünen Glasdosen) und stürmen nach draußen.


3. Akt: Auf einer Militärbasis

 Handelnde Personen:  

  • Offizier  
  • Soldatin  
  • Kampfroboter  

Leutnant Lautenschläger, stellvertretender Kommandeur der 7. Roboterinfanteriekompanie, unternimmt gerade seinen täglichen Kontrollgang durch die Hallen der Abteilung Technische Instandsetzung. Er macht Halt bei einer jungen Soldatin.

Offizier: Obergefreite Ollmann, was machen Sie gerade?

Soldatin: Leutnant Lautenschläger, ich repariere den Kampfroboter K4C1, Codename Kätzchen.

Offizier: Sehr gut! Und funktioniert er wieder?

Soldatin: Absolut! Passen Sie auf, Herr Leutnant! (ein Sprachkommando in ein kleines, mobiles Steuergerät sprechend) Kätzchen, rechter Arm hoch!

Der schwer gepanzerte Roboter hebt den linken Arm.

Offizier: Haha, ein Roboter mit Rechts-Links-Schwäche!

Soldatin: Äh Moment, warten Sie!

Die Obergefreite hantiert mit einem elektrischen Schraubendreher am Hinterkopf des Roboters.

Soldatin: So, da war nur eine Schraube locker.

Offizier: Aha!

Soldatin: Jetzt noch mal! Kätzchen, rechter Arm hoch!

Der Roboter hebt den rechten Arm, lässt ihn aber abrupt wieder sinken.

Offizier: Sind Sie sicher, dass das so sein muss?

Soldatin: Ja (etwas in ihr Steuergerat eintippend) jetzt hab ich den Fehler! Passen Sie auf!

Der Roboter hebt den rechten Arm und fängt dann an mit diesem zu kreisen.

Offizier: Hmm, das sieht nach einer Fehlfunktion aus.

Soldatin: Nein, ich krieg das hin!

Die Obergefreite drückt den Reset-Knopf im Nacken des Roboters, um ihn neu zu starten.

Soldatin: So, jetzt kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Nach ein paar Sekunden der Stille wacht der Roboter wieder auf, um plötzlich wild Arme und Beine in alle Richtungen zu bewegen, quasi so als würde er tanzen.

Offizier: Der sieht aber lustig aus! Aber ob er damit den Feind beeindrucken kann?

Soldatin (sich den Schweiß von der Stirn wischend): Äh, wieso funktioniert denn dieses Ding jetzt nicht?

Offizier (sich die Schirmmütze zurechtrückend): Ich glaube, wir brauchen einen neuen Roboter oder möglicherweise eine neue Obergefreite im Technischen Dienst. Sie können ja höchstens das Musikchor des Wachbataillons programmieren!


Redaktion: sb