Die 2K-Gesellschaft

Zeitreise-Bericht der Klasse 6e an den CJD Christophorusschulen Droyßig vom 4. bis 5. Oktober 2021

Deutschland im Jahr 2040

Im Logbuch einer Zeitreise finden sich folgende Einträge:

In nur drei Stunden geht’s los. Wir sind die ersten Menschen, die in die Zukunft reisen dürfen. Wir sollen in den kommenden drei Tagen alles über das Jahr 2040 in Erfahrung bringen.

Tag 1:

Heute waren wir auf einer Demo im Stadtzentrum, wo sich offensichtlich die Wohnungen der Oberschicht befinden. Einige Bürger, bestimmt aus der Unterschicht, demonstrierten für mehr Geld und mehr noch für das Ende der Zweiklassengesellschaft.

Die Polizei schlug mit sogenannten Ex-Waffen, welche wohl elektrisch funktionieren und nicht tödlich sein sollen, die Demonstration sofort nieder. Die bewusstlos geschossenen Demonstranten, darunter der Anführer, wurden festgenommen. Einige konnten fliehen.

Tag 2:

Heute sind wir in eine Schule gegangen. Vor dem Unterricht fand ein Appell auf dem Schulhof statt. Alle Schüler nahmen zusammen Aufstellung, während der Direktor eine ideologische Grundsatzrede hielt und noch irgendwelche Schüler-Headsets im Schulfoyer aufgeladen wurden.

Nach dem Klingeln strömten die Schüler in die Schule. Die aus reichen Familien erhielten ihr Headset und gingen in andere Klassenräume als die Schüler aus armen Familien, die kein Headset bekamen. Die Unterrichtsräume der Reicheren sind mit modernem Hightech ausgestattet, die der Ärmeren mit Kreidetafeln und Holzbänken. Die reichen Schüler lernen schneller und effektiver dank der ominösen Kopfhörer, die vi- oder Edu-Headsets genannt und an den Schläfen aufgesetzt werden. Vielleicht steht „vi“ für Virtual Intelligence. Jedenfalls scheinen die Schüler mit diesen Geräten Dinge besser einprägen und umsetzen zu können.

Wir erfuhren aus den Nachrichten, dass die festgenommenen Demonstranten wieder auf freien Fuß sind, jedoch eine Strafe erhalten haben. Sie müssen nun unter schlechteren Arbeitsbedingungen und für weniger Geld arbeiten.

Tag 3:

Heute ist ein sogenannter Registrierungstag. Alle Arbeiter müssen sich an Computerstationen einfinden und scannen lassen. Wir wissen nicht, welche Daten von den Personen ausgelesen und gespeichert werden und zu welchem Zweck.

Von einem der Arbeiter erfuhren wir – mit der Bitte, seine Anonymität zu wahren –, dass der Anführer der vorgestrigen Demo in einem Polizeikrankenhaus verstorben sei. Wir beeilten uns sogleich, wieder die Rückreise ins Jahr 2021 anzutreten.



Eine Szene, die sich im Jahre 2040 zugetragen hat…

1. Akt: Die Nachrichten

 Handelnde Personen:  

  • Nachrichtensprecher   
    Jörgen  
  • Nachrichtensprecherin   
    Susanne  

Es laufen die Mittagsnachrichten.

Nachrichtensprecher: Herzlich willkommen! Ich bin Jörgen.

Nachrichtensprecherin: Und ich Susanne.

Sprecher: Es ist Punkt 12, hier sind die Nachrichten. (Ein 3D-Bild von einer Demo in der Stadt wird eingeblendet.) Heute Vormittag fand eine Demo auf dem Baerbock-Platz statt. Es folgt ein Bericht vom Ort des Geschehens.


2. Akt: Auf der Demo

 Handelnde Personen:  

  • Anführer der Demo  
  • Weitere Demonstranten  
  • Polizist  

Die Aufnahmen zeigen eine kleine Demonstration auf einem fast leeren Platz im Stadtzentrum. Ein Demonstrant führt die überschaubare Gruppe an und ruft stets die gleiche Forderung, welche von den Nachkommenden mit Nachdruck wiederholt wird. Zugleich machen die Demonstranten ihre Losung auf Hologrammplakaten weithin sichtbar. Man sieht draußen jedoch kaum Zuschauer, nur in den umliegenden Häusern lugen manche hinter verdunkelten Fenster hervor.

Anführer (anfeuernd): Weg mit 2K, weg mit 2K! (d.h. 2-Klassen-Gesellschaft)

Demonstranten (im Chor): Weg mit 2K, weg mit 2K!

Anführer (lauter): Weg mit 2K, weg mit…

Plötzlich erscheint ein Polizist aus dem Hinterhalt nahe der kleinen Gruppe. Er streckt mit einer fast unsichtbaren Kleinstwaffe den Anführer und einige Mitläufer in seiner Nähe nieder. Die restlichen Demonstranten zerstreuen sich in alle Richtungen und fliehen. Kurze Zeit später stürmt eine Einsatzhundertschaft der Polizei den Platz, um die Liegengebliebenen mitzunehmen.


3. Akt: Ein Interview

 Handelnde Personen:  

  • Nachrichtensprecherin   
    Susanne  
  • Nachrichtensprecher   
    Jörgen  
  • Peter und Petra –   
    zwei Upper-Class-People  

Wieder zurück im Nachrichtenstudio…

Nachrichtensprecherin: Bevor es mit unserem Thema des Tages weitergeht, hier noch eine kleine Produktplatzierung für das neue vi-Headset für Bildung und Gedankenanreize, weil wir sonst pleitegehen.

Es läuft ein 3D-Werbevideo. Zu sehen ist eine junge Schülerin in einem leeren Klassenzimmer. Sie trägt ein goldglänzendes Headset auf ihrem kahlgeschorenen Kopf. An den Enden des Headsets befinden sich statt Ohrhörern kleine rote Lämpchen, die an den Schläfen der Trägerin anliegen. Diese zeigt einen konzentrierten Gesichtsausdruck, so als ob ihr Gedankenblitze durch den Kopf schießen.

Die Nachrichten werden fortgesetzt.

Nachrichtensprecherin: Nun begrüßen wir zum Interview Peter und Petra, ein nettes Pärchen aus unserer beschaulichen Upper-Class-City, wo heute eine Demonstration hunderter Aufrührer stattgefunden hat.

Zwei ihrer Kleidung nach sehr wohlhabende Personen betreten das Studio und nehmen auf einer bequemen Couch Platz. Jörgen, der Nachrichtensprecher, übernimmt die Moderation.

Nachrichtensprecher: Peter und Petra, wie geht’s Ihnen nach dem unerfreulichen Vorfall in Ihrem Wohnviertel heute Morgen?

Peter (sichtlich besorgt): Wir haben jetzt sehr große Angst, dass irgendwelche dahergelaufenen Unruhestifter unser Haus überfallen und uns etwas antun. Ich fordere daher umgehende und radikale Maßnahmen von Stadt und Staat, um unser schönes Viertel und unsere Familien zu schützen.

Petra (energisch): Ja, mein Mann hat wie immer Recht. Und den Aufwieglern bitte keine Gnade!

Der Moderator lässt die Statements seiner Gäste unkommentiert stehen.

Nachrichtensprecherin: Liebe Zuschauer, wir wünschen Ihnen weiterhin einen schönen Tag und eine friedliche Weihnachtszeit! Bis zum nächsten Mal!

Es folgt ein Wohl-Fühl-Spielfilm in 4D. Aus den Fernsehern, nicht nur der Upper Class, strömen sinnliche Tannendüfte.