Die kaputte Mauer

Zeitreise-Berichte der 10c am Gymnasium „J. G. Herder“ Merseburg vom 8. bis 9. Juli 2021

Deutschland im Jahr 2040:

Scheinbar sind alle zufrieden mit ihrem Leben. Die Wirtschaft läuft auf Hochtouren. Deutschland hat sich zur führenden Industrienation entwickelt. Auch in der Landwirtschaft gibt es eine sehr weit fortgeschrittene Entwicklung: Alles läuft autonom.

Jedoch gibt es eine strikte Trennung zwischen Arm und Reich, die zur Folge hat, dass die Armen nichts von den Reichen ahnen. Das Armen- und Industrieviertel ist riesig und wird von einer gewaltigen Mauer umgeben. Um die Mauer erstreckt sich das Wohngebiet der Reichen.

Die Armen arbeiten sehr viel und bekommen ein wenig Unterstützung vom Staat. Dadurch leben sie ein relativ zufriedenes und friedliches Leben. Die Reichen hingegen, die die äußeren Stadtteile jenseits der Mauer bewohnen, leben in absolutem Luxus.

Zur Zeit regiert die Neue Volkspartei „NVP“. Sie hat rund 95% Zustimmung und die breite Mehrheit der Bevölkerung steht geschlossen hinter ihr. Sie hat die riesige Mauer erschaffen, die durch Roboter abgesichert wird.

Die NVP behauptet, nur das Beste für alle zu wollen und dass die Mauer eine Notwendigkeit für den sozialen Frieden sei. Die Armen verbringen viel Zeit in der virtuellen Realität. Das Internet ist jedoch zweigeteilt – in das der Armen und das der Reichen.

Die Armen werden im Unklaren darüber gelassen, was sich wirklich hinter der Mauer befindet. Ihnen wird erzählt, dass dahinter gefährliche Dinosaurier leben, weshalb niemand die Stadt verlassen dürfe. Durch moderne Technik werden die Ungeheuer simuliert, die die Leute in Angst halten sollen. Nur die Reichen kennen die Wahrheit über die Mauer und die Welt jenseits dieser.



Die Beobachterin

 Handelnde Personen:  

  • Die Beobachterin  

Die Beobachterin liegt in ihrem Bett. Sie wacht auf, gähnt, rekelt sich und tastet nach einer Fernbedienung.

Die Beobachterin: Na gut, dann wollen wir mal. (Sie drückt einen Knopf und ein Hologramm erscheint.) Oh wow, was ist das denn? Ein Hologramm aus einer anderen Zeit? Von wann denn? (kneift die Augen zusammen) Aus dem Jahr 2040. Und da ist eine Familie drauf. Mal sehen, was die zu sagen haben.

Eine Szene, die sich im Jahre 2040 zugetragen hat…

1. Akt: Auf der Veranda eines Ferienhauses

 Handelnde Personen:  

  • Timmy – Sohn  
  • Thorsten – Vater  
  • Mandy – Mutter  

Vor einem Ferienhaus sitzen Mutter, Vater und Kind auf der Veranda und genießen die Sonne.

Thorsten (seufzt vergnügt): Ach, ich finde unseren Urlaub so schön hier. Wir können so schön auf unserer Veranda sitzen und einfach nichts tun.

Timmy: Sag mal, Papa, in der Schule hatten wir gerade das Thema Arbeit. Wieso müssen wir eigentlich nicht arbeiten?

Thorsten: Wir müssen nicht arbeiten, weil wir schon alles haben.

Mandy (wirft ein): Die auf der anderen Seite müssen arbeiten, weil die sich noch nicht alles leisten können.

Thorsten: Uns geht es schon gut. Wir haben schon das Geld erarbeitet, das wir für die Zukunft brauchen. Wir brauchen das nicht mehr. Wir haben schon alles.

Timmy: Aber, findet ihr das nicht ein bisschen unfair?

Mandy: Prinzipiell ist das nicht unfair. Die haben halt noch nicht genug gearbeitet. Wir dagegen haben schon unseren Reichtum erarbeitet.

Timmy: Wieso müssen die denn ihr Leben lang arbeiten und wir nicht?

Thorsten (etwas genervt): Naja, wir haben früher angefangen und härter gearbeitet, das ist doch klar. Und die da drüben (er deutet in die Ferne) haben es am Anfang etwas schleifen lassen. Sie haben dann erst irgendwann gemerkt, dass sie so nicht über die Runden kommen. (lacht kurz auf) Wir haben uns in dem Zeitraum schon unsere Lebensgrundlage erarbeitet.

Timmy: Also wisst ihr, ich finde das eigentlich ganz schön unfair. Die können es doch überhaupt nicht schaffen, jemals aufzuhören zu arbeiten, oder?

Thorsten: So ist es nun mal.

Timmy (empört): Findet ihr das gerecht?

Mandy: Ja, schon. Wir haben einfach früher angefangen zu arbeiten.

Thorsten: Sei nicht traurig. Wir essen jetzt ein schönes Eis, trinken einen schönen Tee, gehen in den Pool und dann schlafen wir eine Runde.

Timmy: Na gut. Das klingt gut, Papa.

Das Hologramm geht aus.


Die Beobachterin: Na, das war ja interessant. Schauen wir mal weiter, was ist das denn hier?

Ein weiteres Hologramm erscheint.


2. Akt: An der Mauer

 Handelnde Personen:  

  • Ronny  
  • Svenni  
  • Peggy  
  • Polizistin 1  
  • Polizistin 2  

Svenni wartet an der Mauer vor einem Busch auf seinen Freund Ronny. Der kommt angelaufen.

Ronny (aus der Puste): Da bin ich, Svenni, was gibt es denn so Dringendes?

Svenni: Ronny, schön, dass du da bist. Ich habe was gefunden. An der Mauer. Das ist total komisch, ich komme da nicht drauf klar.

Svenni biegt einen Busch beiseite. Er zeigt auf eine Stelle an der Mauer.

Svenni: Schau mal, die Mauer, die glitzert hier so komisch. Wie ein kaputtes Display.

Ronny: Das ist kein kaputtes Display. Das ist einfach nur… Hier ist die Mauer einfach ein bisschen kaputt. (schaut sich nervös um) Du bist bestimmt wieder rückfällig geworden und hast wieder was geraucht. Das halluzinierst du doch!

Svenni: So ein Quatsch!

Ronny: Du bist bestimmt auf einem richtig schlechten Trip. Soll ich dich nach Hause bringen?

Svenni: Aber schau dir das doch an, das kann doch nicht sein. Diese Mauer, die…

Peggy (kommt dazu): Hi ihr, was macht ihr denn hier?

Svenni: Hallo Peggy! Schau dir das mal an, hier, die Mauer. (zeigt auf die komische Stelle) Das kann doch nicht sein. Man sieht keine Umgebung mehr. Ich traue mich auch nicht, das anzufangen.

Peggy (ängstlich): Ich würde da nicht zu nah dran gehen. Habt ihr nicht die Geschichte gehört, von dem Mann, der verhaftet wurde, weil er zu nah dran war?

Svenni: Aber, hier ist doch irgendwas komisch.

Ronny und Peggy gehen kopfschüttelnd davon.

Svenni: Wo geht ihr hin? (Er wendet sich wieder der Mauer zu.) Ich fasse die Mauer mal an. (streckt seine Hand nach der Mauer aus, schreit auf) Ah! Leute, wo seid ihr? Die Mauer ist ganz komisch, ich kann die Hand durchstrecken! Das müsst ihr sehen!

Plötzlich treten zwei Polizistinnen mit gezogenen Waffen auf ihn zu.

Polizistin 1: Polizei, Hände hoch! Sie sind verhaftet!

Svenni dreht sich erschrocken um und reißt die Arme hoch.

Svenni: Was habe ich falsch gemacht?

Polizistin 2: Sie haben sich der Mauer zu sehr genähert! Mitkommen!

Svenni wird abgeführt. Das Hologramm geht aus.


Die Beobachterin: Na, da war ja was los. Fast hätte Svenni das Geheimnis der Mauer gelüftet. Was für eine aufregende Zukunft! Das macht mich ganz müde, ich gehe wieder schlafen.

Die Beobachterin legt sich hin und schläft ein.